Sonntag, 17. November 2013

Ich bin ein Heiliger


Ein Traum


Es sind nun schon über zwanzig Jahre her, dass mich jemand im Traum, völlig ohne Ironie, als Heiligen bezeichnete. Diesen Traum aus der Nacht vom siebentem zum achten Juni 1989 habe ich aufgeschrieben: Schuldirektor Fischer interessierte, welche Dialoge A. und ich führten, und wie wir überhaupt zusammengefunden hätten, da doch A. noch eine Aufgabe hätte, während mir als Heiligen alles gleich sei.
Ohne jetzt groß darüber spekulieren zu wollen, wer hinter der Person des Schuldirektors steckt, ist es ganz klar, dass es auch in der geistigen Welt hierarchisch gegliederte „Ämter“ gibt. Dass A. und ich zusammenfanden, geschah offenbar aus einer Ebene, zu denen „Direktor Fischer“ keinen Zugang hatte. Er hatte also ein intellektuelles Problem mit uns, dass er gern gelöst haben wollte. Ich kann mich nicht erinnern, ihm im Traum darauf geantwortet zu haben.


Heil-werden ist auch Freiwerden von Depression


Tatsache ist, dass ich, seit meiner Bekehrung nichts anderes als ein Heiliger werden wollte und alle „Anstrengungen“ unternahm, es zu werden. Denn es gibt nicht Schöneres als ein Heiliger zu sein. Denn was ist ein Heiliger? Er ist ein Mensch der heil, d.h. gesund nach Geist, Seele und Leib geworden ist. Dergleichen ist doch das heimliche Ziel eines jeden Menschen. Nur kennen sie eben den Weg nicht. Für mich war das Heil zu einer Notwendigkeit geworden, denn in meinem Unheilsein hielt ich es nicht mehr aus. Es war die Hölle! Seit Jahren hatte ich Depressionen, die sich immer mehr verschlimmert hatten. Das Leben konnte ich mir nicht nehmen, da ich bereits um ein Weiterleben nach dem Tod wusste und darum, dass durch einen Suizid alles nur noch schlimmer würde. So blieb nur die Flucht nach vorn! Um es kurz zu machen, durch wachsende Einsicht in die Wahrheit wurde ich allmählich von den Depressionen völlig frei.

Eine der wertvollsten Einsichten war die, die eine Depression erst schlimm machen: Nichts kann einen Depressiven mehr erfreuen. Er ist völlig gefangen in der Verneinung. Mir wurde klar, dass das eine Immunität gegenüber dem Positiven bedeutete. Aber das Positive gab es ja. Nur, ich war davon ausgeschlossen! Also galt es zu erforschen, wie ich in diese Immunität hineingeriet, um dann zu sehen, wie eine positive Immunität geschaffen werden könne. Eine solche würde zumindest so aussehen, dass alles Negative, das von außen auf einen einstürmt, keine negativen Empfindungen mehr erwecken kann. Kurz, dass man sich trotz allem Äußeren wohl und glücklich fühlen kann.


Ein Heiliger sieht in Bezug auf sich selbst alles positiv


Um da hin zu kommen, gehört die immer wieder zu übenden (1 Tim 4,7) Bejahung aller Lebensumstände (1. Thess 5,18), die nur möglich ist, wenn man weiß, dass man als ewiges Wesen unvernichtbar und deshalb leidfrei ist. Ja, dazu gehört der immer wieder zu übende Glaube, dass man bereits das Ziel erreicht hat, und glücklich ist (2. Kor 5,17).
Dem Heiligen ist bewusst, dass im Äußeren, d.h. in allem was nicht das Ewige ist, kein Glück zu finden ist. Deshalb wird ihm alles Äußere gleich (s.o.), gleichgültig, belanglos...


Heiligkeit auf die Probe gestellt


Nun, erst vor einigen Monaten wurde der bisher erreichte Stand meiner Heiligkeit auf die Probe gestellt, denn da bekam ich aus bösen Machenschaften heraus, eine Zwangsvollstreckung, und saß wohnungslos für knapp zwei Monate „auf der Straße“. Noch am Abend vor dem Termin und am Morgen bis zum Eintreffen des Räumkommandos sang ich aus vollem Herzen und glücklich Loblieder. Dann wurden Gerichtsvollzieher und Packer freundlich begrüßt.
Ich denke, eine solche Reaktion auf einen Rauswurf, hat noch kein Vermieter, noch die, die es mitbekamen, erlebt. In dieser Situation hat sich mein Glaube bewährt! Darüber bin ich froh und dankbar!

Noch anmerken möchte ich, dass es relativ stark regnete und kalt war, als wir das Haus verließen. Wir wussten nicht wohin. In das angebotene Obdachlosenheim wollten wir nicht. Aber wir vertrauten auf Gott. So wählten wir einfach den nächsten Zug. Dieser führte uns in eine Stadt im Süden, wo A. schon immer mal hinwollte. Im Zug waren wir euphorisch, obwohl es auch auf der ganzen Fahrt immer noch regnete. Wir machten uns, auch äußerlich, ein paar schöne Tage... - Urlaub vom vergangenen anderthalb Jahr, das schon unter der beständigen Bedrohung des Rauswurfs stand. Denn wir hatten damals noch gehofft, dass die beteiligten Menschen zur Besinnung kämen, zumal es die engsten Ängehörigen von A. waren, die uns das antaten.

Auch diese ständige Bedrohung und die ständige Auseinandersetzung mit dem Gericht, hatte uns nicht mürbe, sondern stärker gemacht. Ich empfand die Zeit eher als eine der intensivsten und schönsten meines Lebens. Und ich hatte inzwischen schon viel Schönes erlebt...
Aber, ein Heiliger ist eben nicht ein „normaler“ Mensch. Ein solcher tickt anders. Er wird stark, wo andere schwach werden.